050611 prollen vs. pharaonen 1.6 (liga)

Bei den meisten Prollen mit Stollen-Mitgliedern ist der Terminus „Six Pack“ eigentlich positiv besetzt, einige mögen beim Wohlklang dieses Kompositums gar ohne Umschweife Black Flag summend zum nächsten Kiosk eilen, zumal bei den derzeit vorherrschenden Außentemperaturen. Einen Sechserpack haben auch die Pharaonen den zuvor recht erfolgsverwöhnten Prollen mit auf den Weg gegeben, welcher jenen zwar nicht wirklich schmecken wollte – verdient aber war diese Packung allemal.
In der ersten Viertelstunde sieht es noch so aus, als könne sich ein Duell auf Augenhöhe entwickeln: Die Prollen bolzen mit nach wie vor geschwächter Defensive hinten gekonnt alles raus und kommen so zu einigen gefährlichen Kontern über die Flügel, während sich die Pharaonen im Kombinationsspiel als gefälliger erweisen und auch die meisten Zweikämpfe für sich entscheiden. Die Torabschlüsse der Pharaonen deuten hier ihr Gefahrenpotenzial und ihre Wucht bereits an, noch aber halten die Roten ihren Kasten sauber. Die Prollen kommen in dieser – ihrer besten – Phase zu zwei bis drei semi-guten Möglichkeiten und einem sehenswerten Fernschuss von Jonas V., der das Pharaonengehäuse an der Latte touchiert. Das 1-0 für die Pharaonen entsteht aus einem Missverständnis in der Prollen-Defence, zeigt dann aber auch schon die spielerische Klasse der Blauen: Eine exakt getimte Flanke von links findet den in der Mitte lauernden Stürmer, der unhaltbar ins linke obere Toreck einschießt. Der Bruch, der nun im Spiel der Prollen folgt, wird von den Pharaonen geschickt ausgenutzt, sie bringen die Prollen von da an hinten auf allen Positionen in die Bredouille und kommen vermehrt zu Torabschlüssen. Das 2-0 lässt dann auch nicht lange auf sich warten, ein langer Ball kann auf rechts nicht geklärt werden, darauf folgt ein mustergültiger und granatoider Torabschluss der Blauen. Gegen Ende der ersten Halbzeit können die Roten ein wenig Kontrolle wiedergewinnen und sich partiell befreien, ohne allerdings großartig Akzente Richtung gegnerisches Tor setzen zu können. Halbzeit, Gast Zwei Prollen Null.
Die zweiten 45 Minuten beginnen – ähnlich wie die erste Hälfte – für die Prollen noch einigermaßen zufriedenstellend. Auch jetzt zeigen sie wieder, dass sie offensiv gefährlich werden können, kommen dabei zu ein, zwei Gelegenheiten, die allerdings nicht zwingend genug zu Ende gespielt werden. Als dann das 3-0 für Blau fällt – ein schneller Konter wird erneut von der Nr. 14 der Pharaonen eiskalt verwandelt-, ist die Partie entschieden und die Widerstandskraft der Prollen passé. Von da an sind die Prollen in der Defensive zu passiv und spielen zudem noch munter weiter nach vorne, was einige freundliche Einladungen zu Überzahlsituationen für die Königlichen dept. HB zur Folge hat. Beim 4-0 dürfen die Pharaonen ungehindert durch die Abwehr spazieren, Doppelpässe spielend, ebenso mühelos einschießend. Tor Nummer fünf ist erneut sehr gut herausgespielt und wird mit einem Schuss von der Sechzehnerlinie vollendet – hier kann die Prollenabwehr wieder nur anerkennend zuschauen. Der Ehrentreffer durch Stephan in den rechten oberen Winkel ist dann mehr als verdient, aber natürlich auch nicht mehr als Makulatur. Das halbe Dutzend machen die Pharaonen dann mit einem Konter voll, bei dem drei Prollen gegen zwei Gegenspieler nicht viel ausrichten können. Bei gefühlten vierzig Grad ist man dann irgendwann einfach nur froh, dass es vorbei ist.
Ärgerlich war auch weniger das Sportliche, sondern die Tatsache, dass es in Halbzeit Eins wieder zu etlichen verbalen Auseinandersetzungen kam. Einerseits war das sicher aus dem Pharaonen-Lager zum Teil kein wildligataugliches Verhalten, was da an den Tag gelegt wurde, wieder aber trugen einige Prollen nicht gerade zur Beruhigung bei. Für einige Äußerungen entschuldigten sich die Beteiligten zwar – dennoch. Erfreulich nur, dass die zweite Halbzeit von beiden Seiten wesentlich ruhiger bestritten wurde. [JUT]

280511 prollen vs. vibrator moskowskaya 2.1 (liga)

Die fußballerische Feinkost und die große Bühne sollten am vergangenen Samstag dem Abend vorbehalten sein, am Nachmittag trafen sich erst einmal die Prollen und der unermüdliche Vibrator, mehrfacher Meister der Wilden Liga, zum Dilettantenduell auf hartem, ausgedörrtem Ackerboden der Tatsachen in 28215 Bremen. Nun, da die Platzqualität seit einigen Wochen oben auf der Wildliga-Agenda prangt (und angeprangert wird), kommt es bisweilen zu abenteuerlichen Ideen zur Beschaffung eines bespielbaren Grüns. Die mafiösen Strukturen des Fußballsports von Kreisklasse bis Champions League bedenkend, kam gar der Vorschlag, dem ortsansässigen Platzwart mit Spirituosen und kulinarischen Delikatessen ein Gastgeschenk zu bereiten und – nebenbei – ein Spiel der Wilden Liga auf dem Hauptplatz anzumelden. Das dringliche, unbedingt gesellschaftsrelevante Thema „Platzverhältnisse auf der BSA Findorff“ wurde im Bremer Wahlkampf gänzlich verpennt, es hätte mit großer Wahrscheinlichkeit sogar die FDP retten können. Der eher windige als – wie auf Wahlkampfplakaten dargestellt – windschnittige Dr. Oliver Möllenstädt hätte hier sicher mal wieder einen Knallerslogan parat gehabt á la „Raus aus der sozialen Hängematte -Hartz Vierer zum Rasenwalzen statt zur nächsten Trinkhalle!“. An dieser Stelle würde es allerdings begrüßt, wenn Möllenstädt nun mal schön fünf Jahre auf Logorrhoen verzichtet, selbst die Walze und den Sprenger anschmeißt und in Findorff Plätze bügeln geht – oder sich einfach anderen Sportarten als der Verbalhetze widmet, zum Beispiel dem Fallschirmspringen oder so.
Harte Landungen gab es auch in den neunzig Minuten einige, und zwar reelle, keine übertragenen. Den Rasen führte man auf Prollenseite gerne als Hinderungsgrund eines perfekt aufgezogenen Kombinationsspiels an, der andere war die völlig umgestellte Prollenelf, welche aufgrund von Verletzten in allen Mannschaftsteilen Opfer einer Heavy Rotation wurde. Von daher gab es eine völlig veränderte Startformation der Prollen, ein Debütant (Jan) darunter, der seine Sache vorzüglich machte. Später wurde gar ein zweiter Debütant – aus der berüchtigten Unsworth-Dynastie stammend – auf’s Feld geschickt: Nach Bruder Daniel durfte nun auch Marvin für die Reds ran.
In der ersten Halbzeit verströmen vor allem die Angriffe über links, meist über Stephan und Christián vorgetragen, Gefahr. Auch können die Prollen sich einige Eckbälle erarbeiten, man ist den Hellblues leicht überlegen, die Torabschlüsse hingegen lassen meist zu wünschen übrig. Jonas, Jens und Christián verpassen so allesamt doch recht deutlich das VibraTor. So ist es auch kein Wunder, dass ein Elfmeter nach einem klaren Foul an Stephan das 1 – 0 bringt: Matthias mit traumwandlerischer Sicherheit zur zu diesem Zeitpunkt verdienten Führung. Aber auch Vibrator kommt zu einigen guten Chancen, vor allem wenn der blonde Mittelfeld-Neuerwerb sich dem Prollen-Sechzehner nähert. Auch nach Ecken können die Moskowesen für Unruhe vor‘m Prollengehäuse sorgen, wobei die Prollenverteidigung hier aber mal wieder nicht sehr sortiert wirkt. Die knappe Pausenführung für Rot geht dennoch in Ordnung.
Über die zweite Halbzeit würden die Prollaner wohl lieber den Mantel des Schweigens hüllen – das aber würde unterschlagen, dass Vibrator eine deutlich bessere zweite Halbzeit hinlegte und von den Torchancen her mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. Nur diesmal galt der Fluch des Konjunktivs für den mehrmaligen Meister, die ein ums andere Mal nur knäpplich bis knappstens am Torerfolg vorbeischrammten.
Im Indikativ aber dürfen die Prollen jubeln: Nachdem das Spiel in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit nur in eine Richtung stattfindet, nämlich in Richtung des Prollentores, kann sich Stephan bei einem Konter über rechts durchsetzen und in der Mitte versenkt Sturmtank Torben eiskalt. Das 2-0 fällt so ausgerechnet in die Drangphase der nun wie frisiert aufspielenden Vibratoren. Diese geben sich in der Folge aber nicht auf und spielen weiter Fußball, während Kombinationsspiel bei den Prollen doch eher selten zu sehen ist. Zum hochverdienten Anschlsstreffer kommt Vibtrator noch, danach aber zittern und mauern sich die Prollen zum Sieg. Dabei umspielen die ledernen Geschosse des Vibratorenarsenals beharrlich das Tor der Roten, aber sie umspielen und bezirzen es eben nur – hier das rechte obere Toreck streicheln, da ein kleines Stelldichein mit der Querlatte –, ernst machen sie hingegen nicht mehr. [JUT]

150511 prollen vs. energie kopfnuss 3.2 (liga)

An einigen Tagen, wenn die Profifußballer in den Stadien der Bundesliga mal wieder nur eintrachtfrankfurteskes anzubieten haben, kommt hier und da ein Schmähgesang von den Rängen, der da lautet: „Das hat mit Fuß/das hat mit -ball/ das hat mit Fußball nichts zu tun…“. Dieser Gesang wäre in der Wilden Liga natürlich völlig fehl am Platze, da inhaltlich bekannt. Nun hatte das Spiel des vergangenen Wochenendes, Prollen gegen Kopfnuss, aber nicht so viel mit Alternativfußball zu tun. Man mochte den Außenstehenden nicht zumuten, diesen Gesang umzumünzen, denn das hieße, ihn in ein metrisches Korsett zu zwängen: „Das hat mit Alter/das hat mit -nativ/Alter, das hat mit Nativfußball nichts zu tun…“ – Nein, da hätten Rhythmus und Strophe doch zu sehr d‘runter gelitten und der „anders geborene“ Fußball beziehungsweise dessen Fehlen wären nicht angemessen besungen worden. Außerdem kümmerten sich die am Rande stehenden auch eher um die verletzt Ausgeschiedenen.
Zu laut, zu hart, zu viele Beleidigungen – so ging es zu am Sonntag, wobei dies alles in allem für beide Seiten galt, die Tippse nimmt sich in keinster Weise aus, im Gegenteil, sie konstatiert dies nur. Ein Spiel, das dem Gedanken des Wildligafußballs nicht gerade Ehre machte. Mit ein wenig Abstand kommen hoffentlich alle Beteiligten ein bisschen runter, mit Blick auf die marginale Bedeutung eben jenes Wildligagekickes: Man bespielt einen Kartoffelacker mit ein paar Messingstangen kurz vor Blockland, no one cares – und zwar zurecht.
Lassen wir diese – subjektive – Betrachtung aus einigem Abstand heraus mal so stehen und widmen uns dem Spielgeschehen. Natürlich ein Spiel mit klarer Ausgangslage – nicht ganz so, als würde Werder gegen Delmenhorst III spielen (vielleicht trifft es St. Pauli gegen Bayern eher..), aber schon mit mehr als deutlicher Favoritenrolle für Kopfnuss. Welche sie spielerisch auch erfüllten – einzig sie schossen die Tore nicht. Und die Prollen, ohne die verletzten Leone, Philipp und Nico angetreten, konnten sich mit bravorösem Kampf, funktionierender Mauertaktik und dem von ihnen perfekt ausgeführten Bash‘n'Bolz (das Wildliga-Pendant zum Kick‘n'Rush) einen Sieg hart – sehr hart – erarbeiten.
Kopfnuss legt druckvoll los und bringt die Prollen gleich zu Beginn in Bedrängnis, diese können sich erst nach zehn Minuten ein wenig befreien und schießen aus dem Nichts durch einen Konter das 1-0. Eine Kombination von Benjamin und Stephan schließt letzterer eiskalt mit einem Flachschuss ins Eck ab. Kurz darauf kommen Kopfnuss schon fast zum Ausgleich, schießen auch ein Tor, welches aber aufgrund einer Abseitsstellung nicht zählt. Mit ihrer zweiten richtigen Chance kommen die Boys in Red auch schon zum zweiten Tor dank ungeahnter Abschlussqualitäten in ihren Reihen, in diesem Fall bei Stephan, der auch das zweite Tor erzielt. Bis zur Halbzeit folgt ein Sturmlauf der Kopfnüsse, welcher deren technische und taktische Überlegenheit demonstriert. Schöne Spielzüge dabei, während die Prollen natürlich vollends auf Konter setzen, zumal mit diesem schmalen Kader. Kopfnuss kommt bis zur Halbzeit auch zum hochverdienten Ausgleich, zum einen durch einen gut platzierten und unhaltbaren Kopfball nach einer Flanke von links, zum anderen durch einen ebenso gut platzierten Schuss in Folge einer Ecke, der durch alle Beine hindurch den Weg ins Toreck findet.
Nach der Halbzeit das unveränderte Bild eines drückenden, spielerisch überlegenen Kopfnussteams, das sich noch einige Chancen mehr als vor dem Wechsel erarbeitet. Die Konter der Prollen bleiben aber weiterhin gefährlich, und einen dieser Gegenstöße verwandelt Benjamin aus nur scheinbar unmöglicher Schussposition von der Auslinie zur Führung: 3 – 2. Danach kommt es zu Verletzung Nr. 1, als Jonas B. an der Strafraumgrenze zu hart gegen Kopfnuss-Alex einsteigt, den es am Knie erwischt. Der folgende Freistoß verfehlt nur haarscharf das Gehäuse. Im weiteren Spielverlauf ist es vor allem Torwart Sören zu verdanken, dass es bei diesem Ergebnis bleibt. Zum Großteil ist er es, der die Chancen, die sich im Zweiminutentakt für die Kopfnüsse ergeben, zunichte macht. Kurz darauf verletzt sich auch noch Tobi V. bei einem ebenfalls grenzwertigen Einsteigen, die Prollen erhalten Verstärkung von Cosmos-Frank – und dennoch muss zehn gegen zehn gespielt werden, da Matthias den angeschlagenen Tobi ins Krankenhaus fährt. Nach langer Unterbrechung dann weiterhin Chancen der Herren in Grün. Ein Ball verfehlt nur einige Millimeter das Bein eines einschußbereiten Kopfnüsslis, ein weiterer streift die Latte, der Rest geht knapp daneben: Das Glück kommt für die Prollen jetzt auch noch dazu. Allerdings können sie bei zwei, drei gefährlichen Kontersituationen auch schon den Sack zumachen. So aber müssen sie bis zu den SchlussAusEnde-Rufen von der Seitenlinie zittern, dann ist der Überraschungssieg perfekt.
Die Prollen verdienen sich diesen Sieg, der natürlich extrem glücklich ist, durch eine tolle kämpferische Einstellung und durch eine vorbildlich arbeitende Defensive. Sie können sich dem Abstiegskampf von Saisonbeginn an für’s Erste entziehen, K.o.pfnuss muss wohl nun das Feld von hinten aufrollen. Gute Besserung den beiden Verletzten. [JUT]

080511 prollen vs. konditionskombinat 3.2 (liga)

Mal ehrlich, manchmal ist man froh, dass sich kein oder kaum Volk nach Findorff verirrt, um dem Treiben der Wilde Liga-Teams an einem eigentlich ja recht schönen Mainachmittag zuzusehen. Und ist dem doch mal so, so nimmt der Anhang an der Auslinie meist schnell Vernunft an und widmet sich dem mitgebrachten Buch oder betrachtet auf dem iPhone Obama und Hillary Clinton bei einem gemeinsamen Videoabend. Das alles war auch am vergangenen Sonntag wieder die bessere Wahl, anstatt zweiundzwanzig nicht mehr ganz so jungen Männern beim Breitensport zuzusehen, die vergeblich versuchten, ihr neunzigminütiges Herumgehampel als Fußball zu legitimieren. Der ästhetische Höhepunkt des Nachmittags war Sebis Outfit – ein Comeback im knappen weißen Höschen, das Lust auf mehr machte. Nichts gegen dessen perfekte Symbiose aus Mode und Physiognomie, aber: Ein wenig Spielkultur hatte man sich schon auch erhofft. Ein wenig! Stattdessen wusste man gar nicht, was man dem Gegenüber nach dem Abpfiff sagen sollte: „Schönes Spiel“? – nein, das galt es schnell zu korrigieren. Vielleicht so: Man hatte schon Nachmittage nutzloser verbracht. Irgendwann einmal.
Zwar konnte man erneut die Platzverhältnisse anführen, um die Schuld, die man auf sich lud, zu mildern. Genausogut hätte man nämlich auf Asphalt spielen können. Dennoch: Ein bißchen mehr hätte es schon sein dürfen. So bleibt, die kämpferische Leistung beider Mannschaften hervorzuheben, an der es nichts zu beanstanden gab. Auch einige Einzelspieler gilt es hier auszunehmen wie zum Beispiel Momme und Tobi V. in unseren Reihen oder KoKos Rechtsaußen, die sich dem allgemeinen Trend des Bash‘n'Bolz widersetzten.
In den ersten zehn Minuten tut sich auf der Grün- bis Braunfläche recht wenig, bis, ja bis ein KoKo‘ler nach ner knappen Viertelstunde Maß nimmt und einen Schuss aus fünfundzwanzig Metern ablässt – der sitzt. Hart und platziert. Nach dem 0-1 zieht man auf den Nachbaracker um – vom Rückstand zeigen sich die Prollen nicht sonderlich geschockt. Im Gegenteil, jetzt kommt ihre stärkste Phase, es kommt zu einigen gelungenen Aktionen über die Flügel. Eine davon schließt Jonas V. nach einer Flanke von rechts mustergültig zum Ausgleich ab – schöner Schlenzer ins lange Eck. Danach können die Prollen ihre Überlegenheit allerdings nicht in weitere Tore ummünzen, von KoKo kommt in dieser Phase wenig. Halbzeit.
Nach dem Wechsel geht es ausgeglichener zu, die orange bekleideten Konditionäre kommen auch mal wieder zu Chancen, die Prollen versuchen es mit schnellem Umschalten von hinten nach vorne – versuchen. Es kommt zwar zu etlichen schnell vorgetragenen Angriffen, aber der Abschluss – ob durch Benjamin, Jens oder Jonas V. – bleibt harmlos bis desaströs. Momme durchbricht dann den Bann, als er nach vergebener Chance von Benjamin und „Abseits“-Rufen der Oranjes den Nachschuss versenkt. Das Tor zählt – auch Kokos Abwehrriege sieht ein, dass keine Abseitsposition vorlag. Der Legende nach hat Momme den Ball nach den Abseits-Rufen nur wütend weggeschossen – traf dabei aber das Tor… Die Prollen drängen nun auf die Entscheidung, aber es bleibt dabei: Gefahr beim Abschluss sieht anders aus. Fußball sieht auch anders aus. Koko hat weiterhin einige Kontermöglichkeiten, arbeitet sich einen Freistoß heraus und hält gut dagegen. Der Ausgleich aber fällt durch ein Eigontor der Prollen, welches seinesgleichen sucht: Ein harmloser Ball, den Sören hätte aufnehmen können, wird von Tobi H. volley weggeschlagen – denkt man zumindest und ist gedanklich schon beim Einwurf. Jedoch haut er dabei so schön über den Ball, dass jener mit ordentlich Drall ins eigene Tor trudelt. In dieser Saison scheinen die Prollen bisher kaum Gegentore kassiert zu haben, die auch wirklich der Gegner erzielt hat… Fünf Minuten später marschiert Momme aber durch und schließt aus kürzester Entfernung zum 3-2 ab. Hochverdient – und so erleichternd. Schließlich hätte man sich fast wieder selbst geschlagen. Danach brennt nichts mehr an, und so steht nach einem Grottenkick der erste Saisonsieg zu Buche.
Die wenigen, die doch am Rande gesessen haben, konnten währenddessen hoffentlich ein wenig schlafen oder Kreuzworträtsel lösen. Diejenigen, die sich auf dem Platz redlich mühten, hatten schließlich schon genug zu leiden. Die Saison aber ist ja noch jung, und bald, ja bald, da läuft der Prollen-Kreisel wieder auf Hochtouren. Fast hätte man’s vergessen am vergangenen Sonntag. [JUT]

010511 prollen vs. team bremost 1.2 (liga)

Der Tag endete in der Ambulanz, und ein genau solches, ein unwürdiges Ende war symptomatisch für all das, was sich am späten Nachmittag auf dem Fußballplatz in Findorff zugetragen hatte. Während sich Leone, Innenverteidiger der Prollen, in einem der Behandlungsräume den Unterarm eingipsen ließ, starrte man im Wartezimmer ungläubig auf ein kitschiges Bild, welches Palmen und Strand zeigte – dort, genau dort, hätte man diesen 1. Mai 2011 verbringen sollen. Weit weit weg vom holprigen Findorffer Rasen, weit weit weg von einem schlechten Fußballspiel mit überflüssigen Aggressionen auf beiden Seiten. Irgendwo dort, im weichen Sand hätte man liegen sollen, wo kein Innenverteidiger der Welt so unglücklich auf dem Boden aufkommen kann, dass er sich die Elle dabei bricht.
Schon die Platzbegehung ließ vermuten, dass hier und heute kein fußballerischer Leckerbissen verspeist würde. Auf hartem, knochentrockenem Geläuf bestätigen beide Teams auch die ersten zehn Minuten diese Anamnese: Es wird ordentlich hin- und hergebolzt, kaum mal gelingt eine Ballstaffette, man hat gut damit zu tun, sich mit dem Acker anzufreunden. Ohne dass es zuvor eine wirkliche Torchance gegeben hat, gehen die Prollen nach einer knappen Viertelstunde in Führung – durch eine Standardsituation. Tobi V. macht seinen zigsten Scorerpunkt mit einem maßgerecht gezirkelten Freistoß, den Jens nur noch mit dem Scheitel streicheln braucht, damit der Ball im rechten unteren Toreck einschlägt. Ein Spiel auf recht niedrigem Niveau mit Vorteilen für die Prollen, gar einige Spielzüge sind in deren Reihen zu sichten. Allerdings lässt der Untergrund auch nicht viel zu, was nach Fußball aussehen könnte. Zu allem Überfluss verlieren die Prollen noch Innenverteidiger Leone, als er nach einem Rempler an der Torauslinie so auf den Boden prallt, dass die Elle dabei entzwei geht. Übergewicht der Prollen in Hälfte 1, Team BremOst mit einigen Kontersituationen, ohne wirklich gefährlich zu werden.
In der zweiten Halbzeit sinkt das Niveau des Spiels weiter, in jeglicher Hinsicht. Die Prollen lassen spielerisch erheblich nach, so kann das Team BremOst wieder in die Partie zurückkommen. Diese erarbeiten sich nun ein leichtes Übergewicht, und um Minute 60 ist der Ball dann nach einem Schuss von der Strafraumgrenze drin. Zwar etwas glücklich, da nicht unhaltbar, aber jetzt auch verdient. Kurze Zeit später spielen sich Wilde Liga-unwürdige Szenen ab. Ein BremOstler lässt sich nach einem Foul der Prollen zu einem Nachschlagen hinreißen, die Prollen reagieren – ebenso überflüssig – mit zwei Schubsern. Eigentlich hätten drei Leute vom Platz gehen müssen. Eigentlich. Man beließ es beim verbalen Klären der Situation, weiter ging’s. Mit gedrückter Atmosphäre auf dem Platz und weiterhin wenig konstruktivem Spiel. Die Laune der Prollen wurde dadurch nicht besser, dass ein abgefälschter Schuss von halbrechts den Siegtreffer für BremOst brachte. Ein Unentschieden wäre auch in Ordnung gegangen, aber angesichts der zweiten Hälfte konnten sich die Prollen kaum beschweren.
Ein grausames Spiel pro Saison muss wohl sein – bleibt zu hoffen, dass die Prollen dieses damit bereits hinter sich haben. [JUT]

170411 prollen vs. eisern haubitze 1.2 (pokalaus)

Schon am späten Vormittag, den Weg zur Bäckerei einschlagend, hätte man es sich denken können, dass es kein gutes Ende nimmt an diesem Tag. Auf der heimischen Straße quert ein Mann im Rentenalter die Fahrbahn, schnaubt laut, zieht einen ordentlichen Quallo, wie wir das früher genannt hätten, die Nase hoch, hustet, grunzt ein wenig – und setzt dann einen gigantischen Flatschen Rotze auf die Straße, in unmittelbarer Reichweite des noch koffein- und frühstückslosen Wesens, das sich seinen Weg durch den frühen Sonntag bahnt. Guten Morgen, Neustadt. Als hätte man ihnen ins Gesicht gespuckt oder wahlweise in die Suppe, saßen die Prollen auch Stunden später nach dem Abpfiff auf dem Rasen der Findorffer Bezirkssportanlage, um einen laufenden Wettbewerb ärmer und nach Gründen suchend, die es zwar gab und die man mit einem reichen Repertoire an Floskeln umschreiben konnte, die den heute in schwarzen Auswärtstrikots dort Sitzenden aber nicht ansatzweise genügen konnten.
Auf dem Spielfeld, 14 Uhr MEZ, ging es hektisch und ungeordnet los, wie sich dies für einen Saisonauftakt in der Wilden Liga gehört.
Die ersten zehn Minuten dominiert das Klein-klein, Stückwerk, und die eindrucksvolle Untermauerung der These des Wilde Liga-Spielers als fußballerisches Mängelwesen bestimmt das Spiel. Nur das Bemühen kann man ihnen nicht absprechen, „solange es ihnen Spaß macht…“ Nach einer knappen Viertelstunde aber können die Prollen etwas Kontrolle über das Geschehen gewinnen, zeigen fußballähnliche Ansätze und haben fortan ein Übergewicht, das meistens ziemlich genau bis zum Sechzehner geht – ab da aber wird es zu umständlich oder aber der alte Kollege Abschlussschwäche mischt sich wieder unter die Prollenelf. Die Eisernen kommen zu einigen gefährlichen Kontersituationen, scheitern aber an sich oder Sören. Folgerichtig kann es nach 45 Minuten auch nur torlos unentschieden stehen.
Nach einer knappen Stunde fällt dann zunächst das erlösende (zumindest dachte man das zu diesem Zeitpnkt noch) 1 – 0 für die Prollen – Traumpass von Tobi V. findet den startenden Jens, der – allein vor‘m Torwart – unbedrängt einschießen kann.
Glaubte man nun, dass die Prollen, stark in Halbzeit 2 gestartet, das Ding ruhig nach Hause schaukeln würden, sah man sich getäuscht. Im Gegenteil, man tat sein Bestes für das gefürchtete Subventionsprojekt Wiederaufbau Gegner, für das man großzügig einige Fehlpässe und mißlungene Ballstaffetten zur Verfügung stellte.
So nimmt das Unheil seinen Lauf, als Sören Mitte der zweiten Halbzeit einen Abschlag in die Füße der Gegner spielt und jene diesen Patzer eiskalt mit einem schönen Schuss ins rechte untere Eck ausnutzen. Die gerechte Strafe für einige selbst ausgelassene Chancen, Spiel wieder offen. Als reichte das nicht an Geschenken, verteilt Jens im rechten Mittelfeld ein weiteres, indem er Leone mit einem Zuspiel ohne Not in Bedrängnis bringt, der verliert den Ball, eiskalter Abschluss again, die Prollen liegen zurück. Der Rest des Spiels ist von wütenden, zunehmend aber auch mit weniger Präzision vorgetragenen Angriffen der Prollen bestimmt. Tobi V. trifft noch einmal den Pfosten, nach einer Ecke kommt auch der mit vorgerückte Sören zum Zug und scheitert knapp – langsam aber sicher merkt man: Dat wird heut nix. Letztlich verdienen sich die Eisernen den Pokalsieg auch mit leidenschaftlichem Kampf und eben jener Effektivität im Abschluss, die den Prollen einmal mehr fehlt.
Man hatte sich die Butter vom Brot nehmen lassen, den nahezu gelutschten Drops aus dem Maul klauen lassen und den Kelch lässt man weiter wandern, obwohl die Messe fast schon gelesen schien. Fast. Nahezu. Schien. Die Prollen konzentrieren sich fortan auf den Ligabetrieb. [JUT]

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Prollen2011.2

010111 don‘t look back in anger

Es taut, es taut gewaltig, und nachdem der Jahreswechsel langsam mit einigen China-Böllern aus der präpubertären Nachbarschaft eingeläutet wurde, freut man sich mit einem Blick nach draußen, dass der kristallene weiße Feind des Rasen- und Phrasensports langsam wieder den Aggregatzustand flüssig annimmt. Nähe Sielwall findet in den folgenden Stunden das rituelle alkoholisierte Liebesspiel mit Leucht- und Knallkörpern statt, heute kein Kreuzungskick auf dem Kopfsteinpflaster, einige Provinznutten – m wie w – machen sich in den frühen Morgenstunden auf in den nächsten Baggerschuppen, wo mit Bacardi-Cola auf die kommende Kohlfahrtsaison angestoßen wird. In der Friese gibt es statt Arschraketen einige schön arrangierte Lovesongs (for the unloved), man wird eben auch nicht jünger, und als Leone zu fortgeschrittener Zeit noch It’s coming home in C-Dur anstimmen will, liegen die meisten schon eingerollt und besoffen auf den ranzigen WG-Sofas des Viertels. Gleichzeitig läuft ein anderes Mitglied des Prollen-Ensembles Knallfrösche werfend über die Kaisenbrücke und Hiob teilt ihm Punkt 24 Uhr mit, dass er für immer Gefangener dieser Stadt bleiben wird. Vielleicht hat er aber auch nur phantasiert und der Nebel der Ziselmänner, die zwei Dreizehnjährige neben ihm zünden, hat alptraumartige Halluzinationen bei ihm hervorgerufen.
Und ja – um den Bogen zum Thema Fußball noch in diesem Jahr zu schlagen – auch die Bezirkssportanlage Findorff wird aus Gründen der Trostlosigkeit von einer abgebrannten Rakete der Marke „Magic Start“ heimgesucht; sie geht dort im Schlacke-Schneematsch-Gemisch unter wie schon so viele Mannschaften der Wilden Liga dort untergegangen sind. Auch die Prollen mit Stollen fühlten sich so manches Mal klein wie ein Häuflein verbrannten Schwefels, wenn sie die Anlage nach einer Klatsche verließen. Jetzt, im Jänner Zwanzigelf, ist Ruhe hinter den Zäunen an der Nürnberger Straße, ein Schild „Vereinsheim geschlossen“ ziert die Eisentür. Stellvertretend für die Prollen mit Stollen und andere Aktive der Wilden Liga stößt der Platzwart in seinem Kabuff auf ein neues Jahr exzellenten Freizeitfußballsport in Bremen an, mit einem Herrengedeck, welches den Prollen alle Ehre macht: dem Nordhäuser Doppelkorn zur Linken und einem Haake zur Rechten.
Viel aktiver als dieser Herr im Zweireiher, welchen er nach dem traditionellen Neujahrsfrühschoppen in der Findorffer Klause noch trägt, zeigen sich besagte Prollen mit Stollen in diesen Tagen auch nicht. Stattdessen blicken sie zurück, auf ein ordentliches Jahr 2010, in dem vor allem in der Liga mehr drin gewesen wäre. Hier zeigte man zwar zwischen sehr ansprechenden Leistungen (etwa beim Sieg gegen Stahl Eisen, auch beim Remis gegen Cosmos) und wenigen unterirdischen, nur fußballähnlichen Darbietungen (der Tiefpunkt war dabei das 1-3 gegen Höttges Erben) alle Gesichter, die dieses Team im Repertoire hat, es überwog aber ein sehr solides Auftreten; gegen die Spitzenteams – von Kopfnuss mal abgesehen – verkaufte man sich gut und war keineswegs chancenlos.
Das Stümper-Spiel konnte letzten Endes nicht mehr stattfinden, hier hätte man noch die Gelegenheit gehabt, aus einer Drei plus eine glatte Zwei für die Saison zu machen. Diese spart man sich nun hoffentlich für das in diesen Tagen beginnende Jahr auf. Das Spiel gegen Vibrator Anfang Oktober bildete somit einen eher glanzlosen Saisonabschluss: Die erste Halbzeit dominierten die Prollen und spielten recht ordentlich, kamen allerdings zu einem sehr glücklichen Führungstor nach einem Fehler im Vibrator-Fünfer, in der zweiten Halbzeit hätte man gut und gerne auch noch weitere Gegentore als nur den Ausgleich kassieren können. Diese letzten 45 Saisonminuten, welche auf dem Grandplatz ausgetragen wurden, da man wie Vieh vom Rasen vertrieben wurde, gehörten sicherlich nicht zu den attraktivsten, – auf beiden Seiten war es ein Ballverlustfestival, welches den spielerischen Möglichkeiten der Teams nicht im mindesten gerecht wurde. So nahm die Saison ein vorzeitiges, nicht sehr ruhmreiches Ende. Den Rest des Jahres telefonierte Prollen mit Stollen mit dem Vorstand von Stümper 02.
Tja, und im Pokal? Alles wie immer: Knappes Aus gegen Cosmos, auf diese Konstellation haben die Prollen ein Abo. Langsam sind die Blauen aber wirklich überreif. Seit wieviel Jahren sagt man das nun?
Wie immer vor einem neuen Fußballjahr warten die Prollen 2011 wieder auf den großen Durchbruch, im Tabellenmittelfeld hat man sich nun eigentlich auch lange genug aufgehalten, das Lob für schöne Nullsummenspiele, die in der Vergangenheit abgeliefert wurden, soll nun transformiert werden in eine einzigartige Erfolgsmaschine. Diese wird Siege in Serie fabrizieren, jawoll! Der Vitrinenschrank, in dem sich einige verstaubte Medaillen von einem Kleinfeldturnier Anno Dazumal tummeln (nebst verblichenen und zerknitterten Viertelfinalaus-Urkunden), wird Ende des Jahres sicher um etliche Neuzugänge reicher sein und kann seiner Funktion als Schuhschrank oder Altkleiderkammer nicht weiter nachkommen.
So oder so ähnlich wird’s aussehen in diesem Jahr, und wenn Ailton noch lange bei den Oberneuländern für bad news sorgt, wird vielleicht gar noch Überraschendes auf dem Transfermarkt passieren, sollten großzügige Mäzene für die Prollen endlich mal ordentlich in die Taschen greifen. „Proll mit Stoll Meisterschaf‘ – das Ailton..“, wird es dann heißen.
Es taut, es taut gewaltig in Bremen, und schenkt man einigen elektronischen Botschaften von Mitspielern Glauben, so ist dies nicht dem Klimawandel geschuldet, sondern hat seine Ursache darin, dass der Prollenkader einfach sauheiß auf die neue Saison und auf wilden Rasensport im neuen Jahr ist. [JUT]

260910 prollen vs. cosmos 1.1 (liga)

Alles war wie immer. Man stand in der Halbzeit beieinander, führte mal wieder 1-0 gegen den FC Bayern der Wilden Liga Bremen und überlegte sich, wie weiter vorzugehen sei gegen den spielstarken Tabellenprimus, dem man bislang ebenbürtig war. „Wir dürfen halt nicht wieder den Cosmos-Fehler machen“, sagt Sören, „so weitermachen!“ Zuletzt hatte es im Vergleich mit den Blauen immer in Halbzeit 2 das böse Erwachen gegeben, wenn nämlich die Blauen alle Prollenträume ca. eine Viertelstunde vor Schluss immer jäh beendeten. In Halbzeit 1 hatte sich eine aber auch eine spielstarke Mannschaft in Rot präsentiert – kaum wiederzuerkennen im Vergleich zum Spiel gute 40 Stunden zuvor – und so machte man diesmal auch nur den halben Cosmos-Fehler und ließ sie immerhin nur zum Ausgleich kommen.
Kampfschweinwetter in Findorff sorgt nicht gerade für erfreute Gesichter, als man sich zur frühen Anstoßzeit von 12.30 h zur Platzbegehung trifft. Torben hatte sein Coming out als Stürmerstar am Freitag offenbar gar so ausgiebig gefeiert, dass er direkt von der Party auf den Platz wankt. Der Rest guckt betröpfelt gen Himmel. Die ersten zehn Minuten plätschern im wahrsten Sinne des Wortes so dahin – überraschend verhalten und ruhig geht es zunächst zu. Abtasten. Vorfühlen. Die 22 Akteure scheinen sich noch nicht ganz mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben, am Sonntagmittag frierend über einen Acker hin- und herzuschlittern. Das Spiel nimmt dann zwar nach 15 Minuten etwas mehr Fahrt auf, Torszenen bleiben aber dank guter Defensivreihen Mangelware. Herauszuheben sind nur ein knapp am linken Torpfosten vorbeizwirbelnder Cosmosball und ein bis zwei gefährliche Flankensituationen der Prollen. Ansonsten: Geackere. Einmal eine elfmeterreife Szene im Cosmosstrafraum, Marke grenzwertig. Davon abgesehen wird es mit zunehmendem Spielverlauf ein leidenschaftlicher, aber fairer Fight. In der Viertelstunde vor der Pause ziehen die Prollen ein Kombinationsspiel auf, welches nach dem letzten Auftritt schon in den ewigen Jagdgründen vermutet worden war. Erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fiel das verdiente, aber aus der Situation heraus sehr glückliche 1 – 0 für Rot: Ecke von rechts für die Prollen, Zurückkehrer Philipp hält den Stiefel hin, ein Kosmonaut semmelt über den Ball und gibt ihm damit die Richtungsveränderung mit auf den Weg, die das Ding zur Freude der Prollen unhaltbar macht. Pause.
Nach dem Wechsel wird es dann wieder eine hitzige, zum Teil zu laut geführte Partie, die aber durchaus eines Wilde Liga-Matches würdig ist: Es gibt immer wieder schnelle Gegenzüge, es geht Auf und Ab, zum Teil enden die Ausflüge für Spieler und/oder Ball im Schlamm. Insgesamt sind die Spielanteile recht ausgeglichen. Einige Ecken nacheinander für die Prollen bringen nichts ein, kurz darauf drückt Cosmos wieder mehr. Es bleibt spannend. Um Minute 75 herum gibt es einen Freistoß für Cosmos von halbrechts, der erst abgewehrt werden kann, bis schließlich der sehr platzierte, mit dem Außenrist geschossene Ball von Cosmos‘ Lampard ins Eck passt. Der verdiente Ausgleich. Gegen Ende ist Cosmos dem Sieg etwas näher als die Prollen, diese aber lassen sich wenigstens die 1-Punkt-Butter nicht mehr vom Brot nehmen und können den Blauen immerhin den ersten Punktverlust der Saison bescheren.
Auch wenn sie „mal dran gewesen wären“, wie Leone nach dem Spiel nicht müde wird zu betonen, gehen die Prollen mit ordentlichem Tageswerk im Gepäck nach Hause. Die Wortgefechte vor allem in Halbzeit 2, mittlerweile wohl fester Bestandteil der stets engen Spiele zwischen beiden, bleiben nur als schaler Beigeschmack – sonst war es ein gutes, packendes Spiel. Und bestimmt nicht das letzte enge Gefecht zwischen den Bleues und Reds. [JUT]

240910 prollen vs. 1. fc schieß-mich-tot 5.3 (liga)

Beim Tennis, so sagt man, sei oft das siebte Spiel eines Satzes das entscheidende, richtungsweisend für den Gewinn des Satzes, ein bedeutender psychologischer Vorteil, hat man es für sich entschieden. All die großen Matches der Vergangenheit, ob Borg gegen Connors in Wimbledon, Chang gegen Lendl in Roland Garros, Becker gegen McEnroe in Hartford (die älteren Leser werden sich erinnern), immer wieder wiesen Hans-Jürgen Pohmann, Uli Potofski oder wer da gerade kommentierte, auf dieses so verdammt wichtige siebte Spiel hin, zumal bei Gleichstand. An diesem Freitagabend in Findorff, wo sich die Prollen und der 1. FC Schieß-mich-tot gegenüberstanden, da war es das siebte Tor, welches die Vorentscheidung brachte. Während Schieß-mich-tot beim Stand von 3 – 3 die Führung – einer Platzunebenheit sei Dank – verfehlte, wurde der Ball im Gegenzug von den Prollen über die Linie gedrückt bzw. gearbeitet. Die Big Points waren gemacht, das siebte Tor brach den Bann, die Prollen wendeten eine drohende Niederlage noch gerade so ab.
Kein sehr ansehnliches Spiel entwickelt sich zunächst in Halbzeit Eins, die hochmotivierten Schießmichtoten mit guten Ansätzen, die Prollen recht ideenlos. Die Boys in Red tun sich schwer, Vorteile im Offensivspiel waren gar für die Gelbbehemdeten auszumachen. Das 1-0 für die Prollen fällt um Minute 15 herum aus dem Nichts, das 2-0 kurz danach eigentlich auch. Eine Flanke von links findet zunächst U. P. H. Dorn (der nun als Knipser auch einen Künstlernamen benötigt), dieser schießt aus kurzer Distanz ein (gar mit rechts..?). Kurz darauf kommt auch Martin, eigentlich Defensivsäule und selten im Sechzehner des Gegners zu sehen, zum Torerfolg, souverän spitzelt er den Ball am Torwächter vorbei. Statt nun Ordnung ins Spiel zu bringen, ziehen die Prollen es vor, in den Abwehrreihen zu schlendrieren (sollte es dieses Verb noch nicht gegeben haben, so müsste es ohnehin für die Prollen Einzug in den Duden finden). Das 2-1 fällt nach guter Einzelleistung eines Schießmichtoten, das 2-2 ist ein herrlich zur Unhaltbarkeit abgefälschter Schuss, der im unbesiedelten Toreck des Prollengehäuses einschlägt.
Nach der Pause gar das 3-2 für Schieß-mich-tot nach wunderbarem Quer- und Fehlpass direkt in des Gegners Fuss. „Die hauen sich die Dinger selbst rein“, kommentiert – wenn auch etwas lautstark und unangebracht – der Mittelfeldmotor des Gegnerteams treffend. Daraufhin schlägt die Stunde des Torbonators: Angestachelt durch die Häme der Kontrahenten, zieht er zwanzig Minuten vor Schluss einfach mal ab und besorgt den Ausgleich für die Prollen. Kurz darauf dann besagte spielentscheidende Szene: Schieß-mich-tot flankt von links, ein Kopfball geht an Abwehr und Torwart de Prollen vorbei, trudelt Richtung Tor – um dann doch noch an der Grasnarbe auf der Linie hängenzubleiben. Die Herren in Gelb können’s kaum glauben, und noch weniger können sie glauben, dass der eingeleitete Konter von Torben zur Führung abgeschlossen wird. Doppelpack, spiel nochmal gedreht. Die Boulevardpresse freut sich, dass der Held so einfache Headlines ermöglicht: „Granate Keller zündet den Tor-Bo“, wird tags darauf getitelt. Den Schlusspunkt und die endgültige Entscheidung bringt wieder U. P. H. Dorn mit einem trockenen Distanzschuss von halbrechts, der genau in den Winkel passt. Haarsträubend insgesamt wieder die Chancenverwertung bei den Prollen, allein Stefan und Jens hätten die Torausbeute gen 10 schrauben können. Ersterer bringt die Prollen in der Mario-Gomez-Award-Wertung (s. anno dazumal) wieder verdächtig weit nach vorne.
Insgesamt ein glücklicher Prollensieg mit einer Leistung, die vor allem im Abwehrverhalten und im Torabschluss gerne schnell zur übertünchenden Frage überleiten lässt: Wen interessiert später noch das Wie? Abputzen, drei Punkte einstecken. [JUT]